Gedanken eines Vaters #3

Warum starke Männer über Zweifel sprechen sollten

Ich mache vieles mit mir selbst aus.

Nicht, weil ich niemandem vertraue.
Nicht, weil ich meine Frau nicht einbeziehen will.
Sondern weil ich es nicht anders gelernt habe.

Meine Kindheit war nicht geprägt von Gesprächen.
Sie war geprägt von Härte. Von Gewalt. Von einem Gefühl, das sich tief eingebrannt hat:

Du bist für dich allein verantwortlich.

Also habe ich gelernt zu funktionieren.
Zu tragen.
Zu schlucken.
Zu überleben.

Und das kann ich gut.


Mit Depressionen leben – und trotzdem funktionieren

Ich lebe seit vielen Jahren mit Depressionen.

Ich komme klar.
Ich arbeite.
Ich bin Vater.
Ich bin Ehemann.

Im Großen und Ganzen habe ich mein Leben im Griff.

Aber es gibt Tage, da bin ich überfordert.

Nicht immer.
Nicht ständig.
Aber spürbar.

Und das Schwierigste daran ist nicht die Müdigkeit.
Nicht die Schwere.

Es ist die Kommunikation.


Ich schweige, obwohl ich weiß, dass ich reden sollte

Wenn es um Beziehung geht, blockiere ich.

Nicht bewusst.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Misstrauen.

Ich weiß, dass meine Frau für mich da wäre.
Ich weiß, dass sie zuhören würde.

Und trotzdem sage ich oft nichts.

Ich führe Gespräche in meinem Kopf.
Ich trage Konflikte in mir aus.

Weil irgendwo tief drin noch dieser alte Satz sitzt:

Regel das selbst.


Stärke oder Schutzmechanismus?

Lange habe ich das für Stärke gehalten.

Still sein.
Aushalten.
Nicht zur Last fallen.

Heute weiß ich:

Es ist eher ein Schutzmechanismus.

Wenn man früh lernt, dass Reden nichts sicherer macht,
lernt man zu schweigen.


Was das in einer Ehe bedeutet

In einer Partnerschaft funktioniert das nicht gut.

Man wirkt ruhig.
Man wirkt stabil.

Aber innerlich arbeitet es.

Und wenn Zweifel oder Sorgen nicht ausgesprochen werden, entstehen Missverständnisse.

Nicht weil man sich nicht liebt.

Sondern weil man sich nicht mitnimmt.


Warum ich glaube, dass starke Männer sprechen sollten

Nicht, weil es leicht ist.

Sondern weil es notwendig ist.

Stärke ist nicht, alles alleine zu tragen.

Stärke ist, Verantwortung zu übernehmen.
Auch für die eigenen Muster.

Ich werde nicht plötzlich zum offenen Buch.

Aber ich kann anfangen mit kleinen Sätzen:

„Das beschäftigt mich gerade.“

„Es fällt mir schwer darüber zu reden.“

„Ich weiß nicht genau, warum ich blockiere.“

Und manchmal reicht genau das.


Schlussgedanke

Ich bin kein perfekter Kommunikator.

Ich bin ein Mann mit Geschichte.
Mit Prägung.
Mit Baustellen.

Ich liebe meine Familie.

Und ich lerne.

Nicht laut.
Nicht dramatisch.

Aber Schritt für Schritt.

Vielleicht ist genau das Stärke.

Nicht keine Zweifel zu haben.

Sondern sie irgendwann nicht mehr nur allein zu tragen.

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